2022 BEYOND THE DAY

16.03.2025

BEYOND THE DAY, May 2022

"Dieses ewige Streben nach Glück und Zufriedenheit! Es sind doch die unbezahlbaren Dinge, die wir wirklich brauchen. Da wäre die Freiheit und natürlich eine Idee, die mich im Innersten begleitet und die sich in meinem Leben manifestiert. Hier und da Patina spürbar? Lasst uns lässig damit umgehen. Bewahren wir uns die Unbeschwertheit und gehen`s gelassen an". Elle Decoration

Kanada weckt zahlreiche Vorstellungen in mir. Da wären beeindruckende Landschaften, Tiere, menschenleere Urwälder und multikulturelle Großstädte, dazu eisige Winter und heiße Sommer – Kanada, das ist Leonhard Cohen, Bären, Lachse, Hummer und Kajaks. Und wie sehen die Kanadier selbst ihr Land? Sicher müssen auch sie sich den Herausforderungen der modernen Gesellschaft stellen. Oder kann das in den abgelegenen Provinzen nicht noch ein bisschen warten? Dieser zweitgrößte Staat der Erde steht, wie kein anderer als Sinnbild für Freiheit – Verheißungsvoll!

Wir starten in Frankfurt und fliegen sechseinhalb Stunden Richtung Westen, der Abendsonne entgegen. Bei unserer Ankunft in Halifax ist es 20:30 Uhr. Diesmal erwartet uns ein besonderer Service. Wir werden abgeholt.               

SUNDAY MORNING

Es ist bewölkt und warm und am Horizont ist schon ein schmales blaues Band zu sehen. Zwei Kanadagänse nehmen ein ausgiebiges, morgendliches Bad im angrenzenden Bach. Das kräftige Schlagen der Flügel ist das einzige Geräusch. Irgendwann setzten sie ihren Weg fort. Richtung Osten.

Auf unserer Whiteside Road ist richtig was los! Sonntags sind alle unterwegs. Ausflüge, Verwandtschaftsbesuche. Die Stadtverwaltung hat eine breite Schneise für die Überlandleitung geschlagen, die die Straße kilometerlang begleitet und zum Teil vollständig zugewachsen war. Sieht aus, als ob eine Rotte Wildschweine durchgepflügt wäre! Ich rette gerade noch ein Ahornbäumchen vor der Zerstörung und setze es an eine der kahlen Stellen, die durch die Stürme des letzten Winters entstanden sind.

Aktuell sind acht Bäume umgefallen. Alle aus Altersgründen. Einer der nach außen hin schönsten Exemplare leider morsch. Die anderen hellgrau, mit dürren Ästen. Die kann ich, denke ich ganz gut selbst verarbeiten. Keiner davon ist entwurzelt. Boden und Pflanzen sind stark miteinander verwurzelt. So, nur mit dem Spaten mal eben ein Loch graben, ist fast nicht möglich. Lehm, jede Menge Steine und Wurzeln bilden ein widerstandsfähiges Geflecht. Ist auch nötig, bei den enormen Stürmen und Regenfällen.

Wir essen unsere restlichen Sandwiches, die wir von unserer nächtlichen Fahrt an der Tankstelle am Canso Causeway erstanden haben. Um 2:00 Uhr nachts. Brot, Butter, Bananen, Tee. Nur das Nötigste.

NOON

Ein Achtzylinder Chevrolet rollt in unsere Einfahrt ein. Das wird unser fahrbarer Untersatz für die kommenden Wochen. Das Gefährt können wir von unserem Nachbarn ausleihen. Für einen Urlaub mit Freunden für die Fahrt nach Neufundland angeschafft und es wäre gerade übrig. Für einen fairen Mietpreis, versteht sich. Die Stufe um Hineinzukommen, muss ich tatsächlich nutzen, um in den Fahrgastraum zu klettern. 

SAUERKRAUT MEET GERMANS

Walter trifft im Supermarkt Leute, die wir kennen und deren Freunde wir kennen. Auf der Suche nach Apfelmus erkennt er nach genauem Studium erst nach einer Weile, dass es sich hier um ein Glas Sauerkraut handelt. Ein anderer Kunde spricht ihn an: "Are you German? Are you looking for Sauerkraut? I can show you the Original. It's better". Nach kurzem Austausch, dann: "Do you know Terry? He left our party to pick up two Germans (das sind wir) at the airport Saturday night. I'm one of the group going to Newfoundland." Both agreed, Terry has One Big Heart!

KEIN GOLD IN ST PETERS

Sankt Peters empfängt uns wie immer stimmungsvoll. Hier fühle ich mich immer den frühen Pionieren ganz nah. Kleine, nicht mehr ganz neue Holzhäuschen links und rechts der einzigen Straße, alle mit Veranden und diversen Anbauten. Kirche, Post Office, Bank of East Cost Credit Union, Hardware Store, Pharmacy, Tim Hortons mit den allseits beliebten Sandwiches, alles da, weitläufig verstreut mit jeweils viel Parkplatz vor dem Haus. Unmöglich, wie rührend, die dicken, gebündelten Kabel, die die Straße durch den Ort begleiten und gelegentlich in luftiger Höhe die Straße queren. Goldgräberstimmung. Gold gab es hier nie, aber in der Bank habe ich eine wunderschöne Prägung einer kanadischen Silbermünze im Wert von $56 entdeckt. Das überleg' ich mir!

Besuch bei Matthias und seinen feierfreudigen Freunden. Das Treffen ist für 16:00 Uhr geplant. "For coffee" kann auch Bier werden… Heute bleiben wir drinnen. Es ist kalt und stürmisch. Wind aus Nordwest treibt das Wasser in überdimensionalen Bögen in Richtung der vorgelagerten Inseln. Abends sitzen wir am Kaminfeuer und hören George Harrison.

GEESE AND MORE

Drei Familien Kanadagänse mit unzähligen Kleinen im Schlepptau ziehen morgens am Ufer vorbei. Die Kolibris sind unsere ständigen Gäste. Ein Pärchen kommt regelmäßig. Er mit roter Kehle und prächtigem, grünen Gefieder. Sie in grau. Im Tandemflug lassen sie sich mit einem eleganten Bogen erstmal auf der Wäscheleine nieder. Ein erster Weißkopfseeadler zieht über unser Haus hinweg.

TAKE THE NEXT JOINT

Francis und Brenda kommen heute zum Lobster Essen. Francis hat die Lobster von dem Fischer gekauft, der die Reusen vor unserem Haus betreut. Sie werden 20 min über einem Gaskocher gedämpft, dann der ganze Topf neben dem Gazebo auf der Schotterfläche ausgeleert und mit dem Gartenschlauch abgespritzt. Nun beginnt die hohe Kunst des Brechens, des Zerlegens, des Puhlens und Saugens. "Take the next joint!" lässt uns aufhorchen und meint, nun wäre das nächste Stück dran. Wir greifen beherzt zu. Durchaus ein Kraftakt. "Break it and twist it!" Herzhaftes Lachen gemixt mit schaurigen Geschichten und Weißwein. Der übrig gebliebener Schalenberg wird zum späteren Zeitpunkt am Strand ausgelegt, wo die Vögel feinsäuberlich alle Reste raus picken. Dann ab damit, ins Meer geworfen. Der Kreis schließt sich. Zwischendrin wir, mit einem köstlichen Abend.

BOJE - BUOY

Ein strahlender, warmer Tag beginnt. Das traumhafte Wetter beflügelt uns und scheinbar alle hier. Schon morgens stehen wir am Strand, bestückt mit unseren Beach-Socks und der großen Boje, die den Winter über in der Garage 'geparkt' war. Ein Boot setzt sich mit einem glitzernden Wellensaum von der nächsten Bucht ab und kommt uns im hellen Morgenlicht entgegen. Die Muring unter Wasser ist schnell gefunden und die Boje mühelos befestigt. Verheißungsvoll! Verspricht sie doch warme Sommertage, Südwinde, Sommer, Sonne, Meer und immer wieder eine neue Herausforderung.

BLACK FLIES UND ÜBLICHES GETIER

Walter hat es bös erwischt! Ein Stich an der Schläfe verursacht zunächst eine Schwellung, dann nach drei Tagen ein geschwollenes Gesicht. Stellenweise wie Sonnenbrand. Die Augen nur noch Schlitze. Da hilft nur noch im Schatten sitzen, Rolling Stones hören, vielleicht ein Stück Kuchen, später die Sportschau. Nun heißt es Kühlen. Benadryl, Gold Bond Anti Itch Lotion und Witchhazel aufgetragen und geschluckt, sieht das gleich viel besser aus.

ADLERNEST

Unser Sonntagsausflug führt nach Isle Madame. An der Lennox Passage sehen wir schon von weitem das große Adlernest auf einem der Holzpfähle, die die Elektrokabel bündeln. Hier können größere Schiffe durch die enge Passage geschleust werden, indem der Verkehr angehalten wird und die Brückenteile der Straße hochgeklappt werden. Von all dem Trubel lassen sich die Adler nicht stören. Das einmal gewählte Nest wird immer wieder zum Brüten aufgesucht.

ILE MADAME

Wir nehmen die kleine Straße zum gleichnamigen Park. Idyllische Lage. Kleiner Leuchtturm. Picknickplätze unter hohen Bäumen auf besonders gepflegten Rasenflächen. Lieblich. Schöne Verlandungszonen neben freiem Blick auf ausladende, tiefblaue Wasserflächen.

Die Häuser rausgeputzt, wechseln ab mit großflächigen Wiesen und immer wieder stahlblaue Lagunen dazwischen. Die Häuser mal hellblau -weiß, mal rot-weiß, mal grau-weiß. Immer eine Abfallbox am Straßenrand, eine Postbox. Mal parallel zur Straße, mal irgendwo auf einem Hügel, mal ganz nah am Wasser. Gerade so, als ob sich das Haus selbst den Platz gesucht hätte und die Bewohner es nun mit der Selbstverständlichkeit des Gegebenen bewohnen und pflegen.

VATERTAG

Heute Einkauf in Port Hawkesbury. Terrassenstühle, Handwerkskram und nicht zu vergessen, das Highlight für den Mann - einen Holzspalter! Um $150 reduziert. Extra zum Vatertag. Als wir uns die Rasentraktoren verschiedener Firmen ansehen, erschallt ein wohlmeinender Rat aus einem geparkten Auto. "Better buy a John Deere" und verabschiedet sich mit einem Lächeln und einem lässigen Handzeichen aus dem runtergelassenen Fenster. John Deere ist DER Rasentraktor unter den Aufsitz-Rasenpflegemaschinen! Hier geht es zur Sache! Geschweißter Stahlrahmen, Vorderachse aus Gusseisen, Langlebigkeit und leistungsstarker Motor. Für den nächtlichen Einsatz natürlich Scheinwerfer. Kinderleicht zu bedienen! Sitzkomfort! Man kann ihn auch gegen jegliches Unbill versichern… Ich wollte eigentlich nur das Gras kürzen. Wir verschieben die Entscheidung.

NACHWUCHS

Noch vor dem Frühstück lautes Gezeter in den Bäumen. Es sind zwei Krähen, die einem jungen Adler das Leben schwer machen. Immer wieder attackieren sie ihn, bringen ihn bisweilen aus dem Gleichgewicht, bis er entnervt aufgibt und in weitem Schwung über die Bucht zum nächsten Geäst fliegt - verfolgt von den zeternden Krähen!

DEAD END

17 Uhr. Wind. 20 Grad. Traumhafte Stimmung. Das Wasser glitzert in der späten Sonne. Ich schneide Zweige zurück und die toten Äste ab, heißen hier DEAD END um die Einfahrt freizuhalten. Das ist ein Drängen und Streben um die besten Plätze an der Sonne! Da wechseln sich Ahornbäume, verschiedene Fichtenarten, Espen, Kiefern, Douglasien mit Hemlocktannen und Sitkafichten, Erlen und vom Laub her eine Art Essigbaum ab. Dazwischen zahlreiche Sträucher, die ich nicht kenne und wilde Rosen, die meiner Meinung noch nie geblüht haben… gibt es das überhaupt?

Weiter hinten sieht es ganz anders aus. Da, wo die Bäume dicht an dicht stehen, sind die Stämme alle gleich dick, jeder strebt nach oben zum Licht und gibt keinen Millimeter preis. Sie merken gar, nicht dass sie sich gegenseitig behindern! Und so hat keiner die Chance, groß und stark zu werden, was essentiell ist, um Wind und Wetter zu trotzen. Das Gerangel in luftiger Höhe lässt wenig Sonne durch und da hat natürlich auch das Kleinzeug am Boden keine Chance.

A SILENT ONE

Die neue Spülmaschiene wird geliefert. Die beiden Monteure machen ihre Sache gut. Der Geschirrspüler ist eingebaut, der Strom wieder eingeschaltet, die Maschine soll zur Probe laufen. Da sagt der eine:"It doesn`t work! Der andere: "It`s a silent one"! Die Suche nach einem leisen Gerät hat sich also gelohnt! Bosch macht`s!

PARADIES IST GERADE ANDERSWO

Das Wetter ist dieses Jahr extrem! Mal Sonne und 26 Grad und in der nächsten Minute eisiger Wind! Es ziehen finstere Wolken auf aber es regnet nicht. Der Wind wechselt ohne Ankündigung die Richtung und kommt aus Süden. Danach quertreibende Regenschauer mit Nebel. Es gießt die ganze Nacht hindurch. Am nächsten Morgen ein mildes Lüftchen, die Sonne schüchtern am bleichen Morgenhimmel. Mittags bleierne Wärme durch eine diffuse Wolkendecke. Null Wind.

COYOTES

Seltsame Laute kommen über das Big Basin von der gegenüberliegenden Insel MacNamara. Lang gezogener Laut mit einem Überschlag eine Quinte höher. Könnten das vielleicht Elche sein? Meine Nachfrage ergibt: Es sind Kojoten. Sie begegnen der Zivilisation so unbeeindruckt wie kaum ein anderes Tier. Seit über einer Million Jahre sind sie in dem Prärie- und Wüstengebiet zu Hause, das sich von Kanada im Norden bis ins südliche Mexiko erstreckt. Die ebenfalls dort beheimateten Bisons, Wölfe und Bären wurden mit der Kolonialisierung verdrängt oder nahezu ausgerottet. Extrem anpassungsfähig findet man Kojoten mittlerweile auch in den Wäldern, den Bergen und an der Küste – und sogar in den Städten. 

WELTGEFLÜSTER

Hineinhören in das stumme Weltgeflüster. Die Verbindung zum Universum wagen. Für den Moment – dann muss am Lagerfeuer Holz nachgelegt werden und die lästigen Mücken vertrieben…

IF YOU EVER GET BORED JUST OPEN YOUR EYES

Nicht dass ich mich gelangweilt hätte, aber die weißen Fußleisten zu den farbigen Wänden und dem schönen Ahornboden sind mir schon lange aufgefallen. Negativ! Die Leisten können so nicht bleiben! Also Leisten abgemacht, ein paar Zentimeter von der Wand nachgestrichen, Gehrungssäge ausgeliehen, neue Leisten gesägt… x-mal ist die Sägerei in der falschen Richtung! Sobald ich die Leiste für den Schnitt umdrehen muss, ist es aus mit der Vorstellungskraft! Da ich mich noch dazu ein paarmal vermessen habe, brauche ich Nachschub. Also weitere Fußbodenleisten besorgt. Das kann nur besser werden! Ich erspare allen Lesern die Details, wie oben messen, unten im Keller sägen. Oben den Ansatz prüfen, unten nachsägen. Schnitte entgraten. Leisten lackieren. Wanddemolierungen mit Fertigputz ausbessern. Fugen abdichten. Dann muss doch gleich die ganze Wand gestrichen werden. Sau viel Arbeit! Ich rate jedem, es sich zweimal zu überlegen, ob nicht doch das alte bleiben kann!

EINMAL IM JAHR

… wird die Kirche St Patrick für den Gottesdienst geöffnet. Alle sind da. Die Szenerie wirkt wie aus der Zeit gefallen. Sehr persönlich, sehr herzlich, lustig und am Schluss sehr ergreifend wenn alle Golden Rose singen. Fühle mich dann in die Zeit der frühen Pioniere zurückversetzt, die Gemeinschaft schätzend, weil lebensnotwendig… Das Zwiegespräch mit Gott unerlässlich. Ich werde bei jeder Gelegenheit vorgestellt. Mittlerweile kann ich dann auch schon mit Halbwissen aus historischen Romanen etwas beitragen. Lady McNamara, einer der ganz alten Namen der frühen Besiedelung, ist "amused".

GRANVILLE GREEN

Heute Abend Livemusik in Granville Greene in Port Hawkesbury. Rockige Musik, Blues, Squaredance. Natürlich darf die Mundharmonika nicht fehlen, erzählt in rhythmischem Beat vom "Lonesome Man" auf endlosen Straßen. Gäste aus Neufundland, Alberta, Saskatchewan und von Prince Edward Island. Die Fähre wäre abgebrannt und der Fährdienst wäre erst ab Donnerstag wieder möglich. Somit wären auch die News abgedeckt. Die Band Jeremie Albino/Special Guest John Haines spielt leidenschaftlich. 4 Sologitarren, Schlagzeug. Are you doing all right?" "Yeah". Alkohol darf nur jenseits der Straße getrunken werden. Überhaupt hätte ich gerne ein Bierchen getrunken. Nix da! Hunde sind auch verboten… Wir sollten den Beavertail probieren, speziell die amerikanischen Gäste sollten die Spezialität aus Kanada probieren. Hier direkt am Kiosk! Wir sollten nicht sterben, bevor wir das probiert haben. "One song for the road" entlässt uns in den frühen Sonntagabend.

MABOU BEACH

Wir machen einen Ausflug nach Port Hood. Unser Ziel ist West Mabou Beach. Auf unserer Fahrt machen wir wie immer erst mal Pause in einem kleinen Café an der Straße. Die Blätterteigtaschen mit Sahne und Erdbeeren gefüllt sind ein Traum und ich hole uns noch eine Portion! In Port Hood angekommen, müssen wir in den Hardware Store. Obwohl ein winziges Sommer-Urlaubsdomizil gibt es dort ein gut bestücktes Geschäft mit allen wichtigen Dingen, die im und um das Haus und den erweiterten Bereich gebraucht werden. Und das ein bisschen netter, nicht nur die reine Not! Wir packen unsere erstandenen Utensilien ins Auto und ab zum Stand. Sand. Sonne. Weitläufig. Wenig los. Das Wasser warm und klar. Heute in traumhaften Türkisschattierungen!

SUN – CLOUDS - WIND

Ein Tag ohne Uhrzeit – Er wird bestimmt von Sonne, Wolken und Wind, von den Gezeiten und den elementaren Bedürfnissen. Einkaufen. Segeln. Schwimmen. Die Motorsense hat ihren ersten Einsatz. Im Gebälk des Gazebo ist das Vogelpaar fleißig am Füttern. Die drei Jungen passen schon nicht mehr so recht ins Nest. Zufriedenheit macht sich breit – eine Art inneres Einverständnis mit dem Leben, so wie es ist.

SWIM THE CANAL IN ST PETERS

Heute machen wir es wahr! Das Fest in St Peters findet nach zweijähriger Pause wieder statt. Gut, dass Walter das in der Regionalzeitung THE REPORTER gelesen hat. Vor drei Jahren hat die Schneid nicht ganz gereicht. Doch diesmal bin ich fest entschlossen mitzumachen! Da ergibt es sich dann auch sehr nett, dass ein deutsches Ehepaar neben uns parkt, die bereits an diesem gesellschaftlichen Ereignis teilgenommen haben. Ganz offiziell muss sich angemeldet werden. Eine Band sorgt am gegenüberliegenden Ufer für Unterhaltung. Zwei Gitarren, eine Sängerin. Country and Western, was sonst. Endlich können wir im Schatten des Anmeldezeltes stehen. Die beiden älteren Damen tragen sehr gewissenhaft Name, Adresse, Alter und Startnummer in eine der vielen Listen ein. Wer Fragen hat wird freundlich-mütterlich aufgeklärt… Es dauert ewig! Ein Windstoß wirbelt die Blätter vom Tisch und einer der wertvollen Informationsträger landet im Wasser. Da ist nix zu machen. Dann heißt es den Oberarm freimachen, die Startnummer auf den Oberarm geschrieben. Gut gelauntes, aufgeregtes Stimmengewirr. Man tauscht Erfahrungen aus. Mutmaßungen, Hoffnungen und Zweifel.

Den Weg zum Start am Bras d'Or Lake bewältigen wir zu Fuß. Wir sind mit die Letzten. Abgesichert von Lifeguards in Kajaks und einem Zodiak schwimmen wir los. Viele mit Schwimmnudel oder anderen lustigen Schwimmhilfen. Zwei Meerjungfrauen mit ihren schillernden Flossen sind auch dabei. Nach den ersten Schleusentoren staut sich die Schwimmgemeinde und wir ergattern einen Platz auf der Floating Mat. Ein Raunen begleitet das Öffnen der Schleuse und wir werden mit sanftem aber unerbittlichen Sog in den Atlantik gezogen. Der Sandstrand und somit das Ende unserer kleinen Reise ist erreicht. Wir werden mit Melodien aus dem Dudlsack empfangen! Strange! Melonenstücke für die Schwimmer, Wasser und eine signierte Trinkflasche. Ach ja, und natürlich aus der Liste streichen lassen! Man hat es ja geschafft!

KAJAKTOUR AM LOWER RIVER INHABITANT

Wir fahren zur Helmuts Lane. Dort können wir bequem ins Kajak steigen. Zuerst mit der Flut 1 Stunde in Richtung Norden und mit beginnender Ebbe wieder zurück. Kraft sparend. Soweit der Plan. Nun wählen wir allerdings erstmal versehentlich einen Seitenarm, der genauso ausladend ist, wie der eigentliche Fluss. Der führt nach kurzer Zeit in flaches Wasser und durch tiefhängende abgestorbene Zweige. Hier geht es nicht weiter. Wir kehren um. Ein mildes Lüftchen und eine sanfte Strömung führen uns vorbei an undurchdringlichen Wäldern, vorbei an einzelnen, in den Wald geduckten Häusern. Wir kommen ohne Anstrengung ganz von selbst ans Ziel - ein Hauch von Abenteuer.

BAVARIAN SUPPER

Eine Stunde Autofahrt bringt uns zum Community Center nach Loch Lomond. Wir nehmen die Whites mit. An langen Spießen werden bereits seit mehreren Stunden die Rollbraten gedreht. Von Hand. Von echten Bayern. Von Fritz aus Neumarkt. Abwechselnd mit der einen Hand am Spieß, in der anderen Hand ein Bier. Blasmusik. Wir sind herzlich willkommen. Bei Moe bekommen wir ein Bier und neben dem Braten gibt's Kartoffelsalat. Brötchen, Butter, mehrere Desserts und Kaffee/Tee. Schon eine Idee, Rollbraten so weit ab vom Schuss!

GRILLEN UND CHILLEN

Auf der Packung steht: Zedernholzbretter 2 Stunden in Wasser einweichen, im Grill heiß werden lassen. Lachs drauf, Fertig! Bei mir gehen die Bretter in Flammen auf. Der Lachs war allerdings ein Traum! Dazu Alioli, Weißwein, geröstetes Brot. Am türkisfarbenen Abendhimmel weiße Wolkenfetzen, ruhiges Wasser. Wir sitzen am Deck mit unseren Erlanger Nachbarn. Sie schaffen mehr Landschaftsraum, weiten die wunderbare Sicht nach Westen und nennen das Projekt 'Brook Space. Ich erkenne die Qualität..

WARMER WIND VON SÜDEN

Heute ergreift mich eine große Sehnsucht nach diesem Land! Es ist einer dieser unbeschreiblich schönen Tage. Das Meer von einem bezaubernden Blau, die Luft klar. Warmer Wind von Süden. Ab und zu ziehen kreischende Möven über den Himmel. Ansonsten Stille. Ich bin untröstlich, dass ich meine Welt in wenigen Tagen verlassen muss. Ich verpflanze zwei Fichten und stürze mich ansonsten in Arbeit. Die Adler bekommen zwei Makrelen. Serviert wird auf dem bereit gelegten flachen Stein an der Kante zum Shore. Fehlt nur noch das weiße Tischtuch! Was für ein Platz zum Speisen!

EAGLE

Einer der Adler kommt mit ausgebreiteten Flügeln und setzt sich auf die oberste Spitze der Fichte nahe dem Meer. Wie schön, dass er uns besucht. Später lässt er sich mit ausgebreiteten Schwingen vom Wind tragen um in sanftem Bogen knapp über dem Meer zu schweben. Er taucht kurz mit den Krallen ins Wasser und fliegt in weiten Bogen auf das Nachbargrundstück, wo ich durch die Bäume hindurch nur erahnen kann wo er sich niederlässt.

FREIHEIT, DIE ICH MEINE

"Wir sind frei, wenn unsere Handlungen aus unserer ganzen Persönlichkeit hervorgehen". Genau so ist das! 100 Tage habe ich das gelebt und möchte keinen davon missen. Jenseits der Norm, lebendig und authentisch leben, davon bin ich weit entfernt. Und doch spüre ich zumindest gelegentlich die Möglichkeit, das für einen Moment zuzulassen. Wenn das gelingt, fühle ich mich stärker denn je, im Einklang mit allen Welten.

Der Tag beginnt mit dem Ruf des Weißkopfseeadlers. Ich eile an die Terrassentür und schon schwebt er ein, nimmt Platz in der Fichte am Brook. Will sich wohl bedanken für die gestrigen, köstlichen Fischgaben… Ich komme ganz nah ran, dann breitet er die Flügel aus und fliegt mit wenigen Flügelschlägen auf die gegenüberliegenden Bäume, wo ich nur erahnen kann wo er sich niederlässt. Good bye, my friend.